Deutscher Gewerkschaftsbund

30.05.2019

Radikal gerecht? - Gespräch mit Thomas Straubhaar, Jörg Mährle und Claus Leggewie

13. Juni 2019 / 19:30 Uhr / Stadtbibliothek Köln

EINMISCHEN - Debattenformat der Körber-Stiftung und der Stadtbibliothek Köln

In Zeiten zunehmender Digitalisierung erscheint das bedingungslose Grundeinkommen für viele Menschen ein Traum. Doch lassen sich Existenzsicherung und Arbeit tatsächlich voneinander entkoppeln? Welche Leistungen des bisherigen Sozialsystems sollen mit einem Grundeinkommen abgegolten sein? Und was ist die gesellschaftliche Rolle von Arbeit? Thomas Straubhaar plädiert für andere Formen der Verteilung, die Gerechtigkeit und Effizienz ins Sozialsystem bringen. Für Jörg Mährle hingegen zerstört das Grundeinkommen den Wohlfahrtsstaat ohne Garantie auf ein besseres System und ein würdevolleres Leben und überlässt den Arbeitsmarkt weiterhin dem Spiel der Kräfte. 

Die Frage lautet: "Wie gerecht wird Arbeit verteilt?"

Vor dem Hintergrund, dass offene und fundierte Debatten für unsere Demokratie unverzichtbar sind, bringen die Körber-Stiftung und die Stadtbibliothek Köln Autoren und Experten auf die Bühne, die kontrovers miteinander diskutieren.

Es moderiert Claus Leggewie.

Thomas Straubhaar ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg; jüngst erschien in der Edition Körber "Die Stunde der Optimisten".

Jörg Mährle ist Politologe und Regionsgeschäftsführer Köln-Bonn des Deutschen Gewerkschaftsbunds.

Claus Leggewie ist Professor für Politikwissenschaft und Direktor des Centre for Global Cooperation Research in Duisburg.

 "wissenswert – Gespräche am Puls der Zeit" 

  • Bilder der Veranstaltung

  • Statement Jörg Mährle (DGB Köln-Bonn)

    Ist ein bedingungsloses Grundeinkommen radikal gerecht? Aus meiner Sicht: NEIN.

    Es schafft weniger soziale Sicherheit; Es ist keine Lösung gegen die negativen Folgen von Globalisierung, gegen Steuerflucht und Kasinokapitalismus; Es hilft nicht gegen die Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt.

    Es schafft nach der Konzeption von Thomas Straubhaar das bestehende Sozialsystem weitgehend ab (Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung, Pflegeversicherung, Kindergeld, Bafög ...).

    Jeder Mensch erhält ca. 1.000,- Euro. Das war es. Wer mehr Geld braucht oder mehr Geld möchte, kann /muss arbeiten gehen.

    Die Finanzierung erfolgt über eine einheitliche Steuer auf ALLE Einkünfte von ca. 50%. Unternehmenssteuern werden abgeschafft.

    Wer mehr Rente oder sich gegen Arbeitslosigkeit absichern will, kann das über private Versicherungen machen. Das ist ein Konjunkturprogramm für die Versicherungswirtschaft. Dabei wird vergessen, dass die kapitalgedeckte Renten durch die Wirtschafts- und Finanzkrise stark gebeutelt wurde. Über 5,4 Bill. US-Dollar wurden damals nach Angabe der OECD vernichtet.

    Mein Fazit nach der Diskussion: Das BGE nach den Konzepten von Straubhaar oder Götz Werner ist weder solidarisch noch emanzipatorisch. Es schleift den Sozialstaat. Die Zeche zahlt - wie häufig – die „Mittelschicht“.

  • "Erklärvideo": Ist das BGE sozial und gerecht?

  • Position IG Metall

    Die IG Metall ist der Auffassung, dass der Sozialstaat dringend weiterentwickelt und an veränderte Realitäten angepasst werden muss. Eine neue soziale Architektur müsste vor allem aus folgenden drei Bausteinen bestehen: Sozialsystemen, die den Lebensstandard sichern und Armut zuverlässig verhindern. Lebensphasen mit verkürzten Arbeitszeiten und Nichterwerbstätigkeit müssten darin stärker als bisher berücksichtigt werden.

    Statt die Spaltung der Menschen in Arbeitsplatzbesitzer und Bezieher von Grundeinkommen als unvermeidlich hinzunehmen, muss das Ziel sein: Alle müssen die Chance haben, erwerbstätig zu sein – aber zu guten Bedingungen. Dafür müssen in Betrieben, die nicht tarifgebunden sind, Tarifverträge durchgesetzt werden. Es müssen Niedriglöhne und prekäre Arbeitsformen bekämpft werden. Außerdem müssen die Arbeitszeiten besser zum Leben passen und es muss massiv in Bildung und Weiterbildung investiert werden, damit die Beschäftigten Zukunftsperspektiven haben, wenn sich die Anforderungen an die Arbeit ändern.

    Die gesamte Position unter https://www.igmetall.de/politik-und-gesellschaft/sozialpolitik/kein-paradies-fuer-arbeitnehmer-und-erwerbslose 

  • Position Ver.di

    Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle klingt zunächst attraktiv. Doch die Begründungen halten einer kritischen Überprüfung nicht stand. Arbeit und Löhne bleiben zentral. Soziale Varianten eines Grundeinkommens würden immense Abgabensätze erfordern und sind illusorisch. Zu befürchten sind ein verstärkter Druck auf Löhne und soziale Rechte sowie ein radikalisierter Neoliberalismus. Unsere Alternativen heißen gute Arbeit und gute Löhne, Stärkung des Sozialstaats und verbesserte bedarfsabhängige Leistungen.

    Alle Informationen unter https://wipo.verdi.de/publikationen/++co++ab29a9ba-db39-11e7-ade4-525400940f89 

  • Debatte in GEGENBLENDE

    Wer die Armut in Deutschland wirklich bekämpfen will, darf nicht auf das Bedingungslose Grundeinkommen setzen. Die derzeit diskutierten Modelle lassen Vermögende finanziell ungeschoren und sorgen nicht für sozialen Ausgleich.

    Momentan wird wieder vermehrt über das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) diskutiert. Es handelt sich um einen steuerfinanzierten Universaltransfer, den alle BürgerInnen erhalten sollen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, ohne dass ihre Bedürftigkeit geprüft würde und sie zur Erwerbsarbeit verpflichtet wären. Gegenwärtig haben BGE-Modelle vor allem deshalb Hochkonjunktur, weil sie dem neoliberalen Zeitgeist entsprechen, also die Freiheit des (Wirtschafts-)Bürgers nicht gefährden. Sie glorifizieren vielmehr „Privatinitiative“, „Eigenverantwortung“ und „Selbstvorsorge“.

    Der gesamte Artikel unter https://gegenblende.dgb.de/artikel/++co++823ef234-de6e-11e7-9d1b-52540088cada 

  • Netzwerk Grundeinkommen

    Das Netzwerk Grundeinkommen wurde 2004 gegründet. Es ist ein Zusammenschluss von Menschen und Organisationen, die für das Bedingungslose Grundeinkommen mit seinen vier genau definierten Kriterien eintreten.

    Imformationen gibt es unter https://www.grundeinkommen.de 


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