Deutscher Gewerkschaftsbund

13.01.2020
Diskussion | 30.01.2020 | 18:00 Uhr | Köln

Klima, Arbeit, Gesellschaft

ALLES WIRD ANDERS - EIN ZUKUNFTSDIALOG

Foto: Pixabay.com

Foto: Pixabay.com

Globalisierung, Digitalisierung und Klimawandel: Unsere Arbeits- und Lebenswelt ist dabei, sich massiv zu verändern. Kurz gesagt: Alles wird anders! Und die Geschwindigkeit der Veränderungen nimmt zu. Dabei zeigt besonders der Klimawandel, von den zunehmenden extremen Wetterverhältnissen bis zum Anstieg des Meeresspiegels, wie grundlegend die Veränderungen sein werden.

Aber: Wie sieht dieses „anders“ aus? Wie wollen wir künftig leben, arbeiten und wirtschaften? Wie gelingt die notwendige sozial-ökologische Transformation aller Lebensbereiche? Was ist zu tun, damit die Gesellschaft nicht an den zukunftsbestimmenden Fragen auseinanderbricht?

Darüber diskutieren:

Bernd Ulrich, Autor und  stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung Die Zeit

Bernd Ulrich hat 2019 sein neues Buch „Alles wird anders – Das Zeitalter der Ökologie“ (KIWI) veröffentlicht. Tenor: Die politische Kultur des Landes ist auf die notwendige Veränderung nicht vorbereitet. Probleme werden so zurechtgestutzt, dass sie auf die Politik passen. Diese Verdrängung neurotisiert die Gesellschaft. Bernd Ulrich beschreibt Wege, diese Blockade zu überwinden und neue Freiheiten und neue Zuversicht zu gewinnen.

Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW

Der DGB hat 2017 bundesweit einen „Zukunftsdialog“ gestartet, um gemeinsam mit gesellschaftlichen Akteuren gerechte, so­ziale und tragfähige Lösungen für notwendige Veränderungen zu finden. Der DGB NRW setzt dabei unter dem Motto „Stark im Wandel“ einen besonderen Fokus auf den von Globalisierung, Digitalisierung und Klimawandel getriebenen Strukturwandel.

Donnerstag, 30.01.2020, 18:00 Uhr
DGB-Haus Köln, Großer Saal, Hans-Böckler-Platz 1, Köln

Zwecks Planung bitten wir um eine formlose Anmeldung an Koeln@DGB.de.

Eine Kooperationsveranstaltung von: DGB-Stadtverband Köln und Verlag Kiepenheuer & Witsch.

 
Während der Veranstaltung werden Fotos und/oder Videoaufnahmen gemacht. Diese Aufnahmen sind bei einer möglichen Veröffent­lichung im Internet weltweit abrufbar. Eine Weiterverwendung der Aufnahmen durch Dritte kann daher nicht ausgeschlossen werden. Mit Ihrer/deiner Teilnahme erklären Sie sich/du dich mit der Veröffentlichung der Aufnahmen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des DGB einverstanden.

 

  • Bernd Ulrich: Alles wird anders!

    Alles wird anders
    Das Zeitalter der Ökologie
    Klimawandel, Artensterben, Ernährung: Sind wir radikal genug?

    Die ökologischen Widersprüche verschärfen sich, die politischen Auseinandersetzungen um Klimawandel, Artensterben, Ernährung, ja unsere ganze Lebens- und Produktionsweise werden härter. Die Ökologie ist endgültig kein Thema mehr unter anderem, sie wird zum zentralen Aggregatzustand der Politik.

    Warum ist das so? Im nicht enden wollenden Sommer 2018 ist den Bürgerinnen und Bürgern die schwache ökologische Bilanz der Merkel-Jahre ins Bewusstsein getreten. Die Grünen konnten deswegen ihre demoskopischen Werte verdoppeln.

    Hinzu kommt, dass klimapolitisch immer öfter Stunden der Wahrheit anstehen: Verkehrswende, Energiewende, Agrarwende – die Eingriffe, die nötig sind, um die Erderwärmung leidlich zu begrenzen, sind tief, die anstehenden Veränderungen werden reale Verlierer und Gewinner haben, sie bergen Chancen und Schmerzen. Kein Wunder, dass der Streit nun ins politische Zentrum rückt und alle anderen Themen neu beleuchtet – von der sozialen Gerechtigkeit bis zur Demokratie und den Menschenrechten.

    Die politische Kultur des Landes ist darauf nicht vorbereitet. Immer noch wird nicht nach einer Politik für die Probleme gesucht, sondern umgekehrt: Die Probleme werden so zurechtgestutzt, dass sie auf die Politik passen, die wir kennen. Diese Verdrängung der ökologischen Herausforderung aber neurotisiert unsere Gesellschaft. Bernd Ulrich zeigt, wie es gelingen kann, diese Blockade zu überwinden und neue Freiheiten und neue Zuversicht zu gewinnen.

    Quelle: Verlag KIWI (https://www.kiwi-verlag.de/buch/bernd-ulrich-alles-wird-anders-9783462053654)

  • Anja Weber: Stark im Wandel

    „Wir wollen Sicherheit geben“

    Die Arbeitswelt verändert sich gerade massiv. Digitalisierung, Globalisierung und die derzeit intensiv geführte Debatte um den Klimaschutz verunsichern. Wir Gewerkschaften wollen Sicherheit geben und den Prozess der Transformation aktiv mitgestalten. Um das Gewicht unserer 1,4 Millionen Gewerkschaftsmitglieder in NRW für gute Arbeit einzubringen, müssen wir mit einer Stimme sprechen. Mit unserem Dialogprozess „Stark im Wandel“ werden wir die großen Fragen der Transformation in unserer Gewerkschaftsfamilie diskutieren und die Mitglieder noch näher zusammenbringen.

    Wir müssen deutlich machen, dass der Wandel nur gelingen kann, wenn wir alle drei Aspekte des Wandels gleichberechtigt vorantreiben: soziale Gerechtigkeit, ökologische Verantwortung und ökonomische Gestaltbarkeit. Deshalb heißt es im Kampagnenlogo auch „Stark im Wandel – sozial, ökologisch, fair“.

    NRW ist ein Industrie- und Stahlland. Beides muss eine Zukunft haben. Dabei sehen wir den Strukturwandel als Chance. Die Suche nach mehr Klimaschutz ist auch gleichzeitig Innovationstreiber. Wenn wir hier in NRW die Technologien entwickeln, die zum Beispiel CO2-Neutralität bei der Stahlproduktion ermöglichen, macht das unsere Industrie gleichzeitig zukunftsfest. Aber auch etwa Autozulieferer und die Energiebranche brauchen Perspektiven.

    Als großes Industrieland muss NRW vorangehen und zeigen: Erfolgreicher Strukturwandel kann gelingen. Wir müssen gutes Beispiel sein, aber nicht nur innerhalb Deutschlands. Wir können in NRW Lösungen entwickeln, die auch international helfen, den Klimawandel zu bekämpfen. Und mit unseren starken Gewerkschaften können wir viel Druck auch Richtung Bundesregierung ausüben.

    Die Politik muss Leitplanken setzen und selbst vorangehen, um gute Arbeit in der Transformation zu gewährleisten und weiter zu fördern. Die Einführung eines Transformationskurzarbeitergelds ist ein Beispiel. Und von der Landesregierung erwarte ich mehr Mut zu einer umfassenden Strategie für das Vorantreiben einer sozial-ökologischen Transformation. Unternehmen und Beschäftigte brauchen klare Rahmenbedingungen und Sicherheiten. Mit finanzieller Förderung allein ist es nicht getan. Wir müssen wissen, auf welche neuen Wirtschaftskreisläufe und Wertschöpfungsketten sie setzt. Nur so können wir Beschäftigte rechtzeitig für den Wandel fit machen.

    Quelle: metallzeitung (https://www.igmetall.de/service/publikationen-und-studien/metallzeitung/metallzeitung-ausgabe-dezember-2019/wir-wollen-sicherheit-geben)

  • Eine kurze Nachlese von Witich Witich Roßmann

    Zukunftsdialog

    Witich Roßmann

    Vollbesetzter Großer Saal des DGB am Hans-Böckler-Platz. Bei der gemeinsamen Veranstaltung  "Klima, Arbeit, Gesellschaft - Alles wird anders - Ein Zukunftsdialog" des Kiepenheuer&Witsch Verlages und des DGB Köln diskutierten die Vorsitzende des DGB NRW, Anja Weber, und der Autor sowie stellvertretende Chefredakteur der ZEIT, Bernd Ulrich, über dessen aktuelles Buch: „Alles wird anders. Das Zeitalter der Ökologie“.

    Bernd Ulrichs zentrale Thesen: Der Klimawandel ist Physik. Er verträgt keine Kompromisse. Jegliches Verschieben von weitreichenden Maßnahmen vergrößert die Folgen. Der deutsche Bannfluch gegen „Radikalität“, die ständige Suche nach der Mitte, nach Konsens und Kompromiss – die auch Bernd Ulrich lange Zeit ebenso wie die entsprechende Politik Angela Merkels unterstützt hat – muss zugunsten eines radikalen Umbruchs in der Klimapolitik überwunden werden. Urlich sieht die Verantwortung bei den oberen Einkommensklassen, den „CO2-Bonzen“, deren ökologischer Fußabdruck mit Flugreisen, SUV ans Ende gekommen ist.

    Anja Weber spricht dagegen, die Klimafragen zu privatisieren: Gesellschaftliche Lösungen für Energie- und Industriepolitik sind ebenso nötig wie eine schnelle Mobilitätswende. „Da müssen wir in der Tat ein anderes Tempo reinbringen“. Sie sieht im gleichzeitigen Kernkraft- und Kohlausstieg eine große Herausforderung für die betroffenen Arbeitnehmer/innen. Die gemeinsame Kommission von Umweltschützern, Unternehmen, Gewerkschaften, Wissenschaft und regionalen Politikvertretern, die den Kohleausstieg im Konsens formuliert haben, sieht Anja Weber als ein hervorragendes Beispiel, wie Klimapolitik auch in anderen Gesellschaftsbereichen (Verkehr-Mobilität, Ernährung-Landwirtschaft-Chemie) organisiert werden kann. Wichtig dabei: In einer Demokratie müssen Arbeitnehmer/innen am Prozess beteiligt werden. Ihre Interessen an guter Arbeit, gutem Klima und gesunder Ernährung müssen ernst genommen werden.

    Bernd Ulrich fordert von den Gewerkschaften eine provokativere Politik, damit nicht im „Schalltoten Raum“ bleiben. Der Tatbestand, dass das untere Drittel der Gesellschaft 10 Jahre früher stirbt, muss zu einem Aufschrei der Gewerkschaften führen, muss ein radikales Gegenprogramm provozieren.

    Mehrfach verweist Ulrich auf das Thema Klimagerechtigkeit: Das untere Drittel der Gesellschaft wird oft diffamiert, ob ihres Konsum billiger Nahrungsmittel ob ihrer alten Dieselfahrzeuge. Insgesamt hat dieser Teil der Gesellschaft aber einen besseren CO2-Fussabdruck als das obere Drittel, das bei Biolebensmitteln und Mülltrennung vorne liegt, aber auch bei Flugfernreisen, Verkehrskilometern etc.

    Witich Roßmann verweist am Ende der zweistündigen Diskussion auf die Vorschläge des Kölner DGB zur Mobilitätswende: Schnell den Umstieg in E-Mobilität umsetzen, wo dies sinnvoll und weitgehend problemlos möglich ist: Kleine E-Fahrzeuge für Pendler/innen, die ihre Fahrzeuge nachts problemlos laden können, und für Handwerks- und Logistikfahrzeuge, die innerstädtisch unterwegs sind und nachts auf dem Betriebshof geladen werden können. Eine ewige Grundsatzdebatte über Verbrennungs-, Elektro- und Wasserstoffantriebe hilft nicht weiter. Wichtig ist es, den Umstieg schnell voranzutreiben, aber ohne Fahrverbote für alte Dieselmotoren. Klimapolitik muss immer die sozialen Interessen der Arbeitnehmer/innen mitdenken, das ist Aufgabe der Gewerkschaften in der Klimadebatte.

    Wissenschaft, Medien und Gewerkschaften haben unterschiedliche Aufgaben in der Klimadebatte: Die einen müssen aufklären und radikal denken; die anderen müssen helfen, dass Reformen schnell und sozial in der Politik umgesetzt werden, damit Arbeitnehmer/innen sie auch akzeptieren können. Das Buch von Bernd Ulrich „Alles wird anders“ gibt viele Anregungen für diese Diskussion.

  • Einladung als PDF


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