Deutscher Gewerkschaftsbund

06.06.2011
DGB-Region Köln-Bonn

Generation Praktikum

Während die Anforderungen an die Studierenden und Berufseinsteiger/innen in den vergangenen Jahren immer höher geworden sind, sinkt die Bereitschaft vieler Arbeitgeber/innen für Hochschulabsolventen und Hochschulabsolventinnen faire Arbeitsbedingungen zu schaffen. Die Folge ist, dass sich der Berufseinstieg wie ein bunter Flickenteppich gestaltet: Prekäre und atypische Beschäftigungsformen werden immer mehr zur Regel. In diesem Kontext sind auch Praktika nach dem Hochschulabschluss zu betrachten.

Die DGB-Jugend hat 2007 mit einer Studie das Phänomen »Generation Praktikum« untersucht und nun - 2011 - eine Vergleichsstudie veröffentlicht. Die Studie gibt detaillierte und qualitative Einblicke über Praktikumsphasen nach Studienabschluss. Die wichtigsten Ergebnisse sind in einer Kurzfassung veröffentlicht (Download - siehe unten).

Die DGB-Jugend lehnt Praktika von Absolventen und Absolventinnen grundsätzlich ab. Für sie sollen Unternehmen und Verwaltungen reguläre Arbeitsverhältnisse bzw. Trainee- und Berufseinstiegsprogramme anbieten, die - wenn keine tariflichen Regelungen greifen - mindestens mit 8,50 Euro pro Stunde vergütet werden.

Generation Praktikum

DGB-Region Köln-Bonn

Wie kommt es dazu, dass ein nennenswerter Anteil der jährlich über 200.000 Hochschulabsolventinnen und -absolventen ein Praktikum antritt, anstatt sofort nach Studienabschluss in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis oder eine weiterführende Qualifikationsphase einzutreten? Sind Praktika nach Studienabschluss faire Angebote zur beruflichen Orientierung oder zum Erwerb praxisrelevanter Kompetenzen, oder sind sie ein Zeichen von Ausbeutung, von Missbrauch und Ausdruck einer etwaigen Tendenz, reguläre durch prekäre Arbeitsverhältnisse zu ersetzen? Und wie schätzen Praktikantinnen und Praktikanten selber ihre Situation ein: Welchen Handlungsbedarf sehen sie hinsichtlich der Regulierung von Praktika, welche ganz persönlichen Erkenntnisse und Erfahrungen nehmen sie aus ihren Praktikumserlebnissen mit, und wie wirkt sich ein Praktikum auf den weiteren Übergang ins Berufsleben aus? Mit diesen Fragen und vielen mehr beschäftigt sich der Praktikareport 2011 der DGB Jugend. Dazu wurden über 600 Absolventinnen und Absolventen aus vier Hochschulen befragt

Die Debatte um die »Generation Praktikum« hat noch vor wenigen Jahren für einen Aufschrei in der Politik- und Medienlandschaft gesorgt. Bereits fertig ausgebildete junge Menschen, so hieß es, sollen einen guten Job bekommen und anständig bezahlt werden, aber kein Praktikum mehr machen! Doch dem Aufschrei sind keine politischen Taten gefolgt. Dies wird auch durch die vergleichende Analyse mit dem Praktikareport 2007 bestätigt. Unter dem Label Praktikum können Arbeitgeber/innen noch immer relativ leicht junge Menschen als billige Arbeitskräfte missbrauchen. Dementsprechend lesen sich auch die Ergebnisse:

  • Bezahlte Praktika nach Studienabschluss werden mit durchschnittlich 3,77 Euro pro Stunde vergütet - aber 40 Prozent sind gänzlich unbezahlt.
  • Die finanzielle Unterstützung durch die Eltern stellt die vorrangige Geldquelle dar, um ein Praktikum nach Studienabschluss zu ermöglichen.
  • Jedes fünfte Praktikum wird durch Sozialleistungen mitfinanziert.

Dementsprechend befürworten die Betroffenen mehrheitlich eine Vielzahl (tarif-)politischer Handlungsmöglichkeiten:

  • 78 Prozent sind für eine regelmäßige Kontrolle, ob Praktikumsplätze reguläre Beschäftigungsverhältnisse ersetzen.
  • 76 Prozent sprechen sich für die Festsetzung einer Mindestvergütung für Praktika nach Studienabschluss aus - also auch für ein Verbot der unentgeltlichen Praktika, welche einen Anteil von 40 Prozent aller Praktika nach Studienabschluss ausmachen.

Dies sind nur einige wenige Erkenntnisse aus dem neuen Report! Das zeigt aber auch, wie wichtig es ist, dieses Thema weiter zu verfolgen, politische Handlung einzufordern und für Veränderungen zu kämpfen.


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