Deutscher Gewerkschaftsbund

11.05.2021

Nachgefragt: Laura Knöchel ist neue Jugendbildungsreferentin

Laura Knöchel

Laura Knöchel

Der DGB Köln-Bonn hat eine neue Jugendbildungsreferentin. Laura Knöchel übernahm Anfang April die Stelle von Omer Semmo. Sie studierte Politikwissenschaften und Soziologie in Duisburg und Aachen und engagierte sich während dieser Zeit ehrenamtlich in der IG Metall Jugend NRW. In den vergangenen zwei Jahren arbeitete sie im Bereich PR, Marketing und Kommunikation.

Frage: Laura, du hast die ersten 30 Tage beim DGB hinter dir. Wie war dein Start bei der DGB-Jugend Köln-Bonn?

Laura Knöchel: Ich muss ehrlich sagen, ich hatte anfänglich Sorgen, wie der Einstieg und vor allem auch die Einarbeitung in diese neue Rolle für mich unter den gegebenen Corona-Bedingungen aus dem Home Office gelingen sollte. Es zeigte sich allerdings ziemlich schnell, dass meine Ängste völlig unbegründet waren. Meine Kolleg:innen aus der Region Köln-Bonn haben mich von Anfang an bestens unterstützt und sich alle Mühe gegeben, mir einen reibungslosen Einstieg zu ermöglichen. Auch die Jugendbildungsreferent:innen der anderen DGB-Regionen in NRW, sowie meine Kolleg:innen aus dem Jugendbereich der Mitgliedsgewerkschaften waren alle hilfsbereit. Der leider nur digitale Austausch war für mich in meinem ersten Monat sehr wichtig, da es mir dabei half, sehr schnell in die aktuellen Themen einzusteigen. Aber auch nach meiner Einarbeitungsphase möchte ich den engen Austausch mit Kolleg:innen aus verschiedenen Bereichen beibehalten. Ich denke, eine offene Kommunikation ist das beste Mittel, um mögliche Missverständnisse gar nicht erst entstehen zu lassen. Abgesehen davon kann man so auch andere Sichtweisen und neue Inspiration für die eigene Arbeit bekommen.

Frage: Warum bist du Gewerkschaftsmitglied geworden?

Laura Knöchel: Während meines Bachelor-Studiums absolvierte ich ein Praktikum bei der IG Metall Geschäftsstelle in Düsseldorf und ließ mich von der Leidenschaft mitreißen, mit der sich die hauptamtlichen Kolleg:innen vor Ort für die Belange der Mitglieder einsetzten.

Ich durchlief während meines Praktikums sämtliche Stationen: ich besuchte Betriebe, durfte bei der arbeitsrechtlichen Beratung anwesend sein, nahm an Gerichtsverhandlungen teil und beobachtete das zähe Ringen um einen Sanierungstarifvertrag und erfuhr so aus erster Hand, wie hart die Arbeit für Gewerkschafter:innen sein kann. Nie ließen sich die Kolleg:innen entmutigen, sondern blieben immer stark an der Seite der Mitglieder, die sich an sie gewandt hatten. Das beeindruckte mich dermaßen, dass ich mir sagte: da willst du auch mitmachen! Und so wurde ich nicht nur Mitglied der IG Metall, sondern auch schnell Teil der Teamer:innen für Berufsschulen und Studierendenarbeit. Ich wollte aktiv mitarbeiten und blieb bis zum Ende meines Studiums leidenschaftlich dabei.

Frage: Welche Sachen habt ihr als DGB-Jugend Köln-Bonn in deinem ersten Monat schon gemacht?

Laura Knöchel: Da ich im April angefangen habe, stand natürlich alles im Zeichen des ersten Mais. Der Tag der Arbeit ist für uns als Gewerkschafter:innen traditionell einer der Höhepunkte des Jahres. Bereits im vergangenen Jahr wurden auf Grund der Corona-Pandemie viele Aktionen, die akribisch und nicht selten mit langem Vorlauf geplant und organisiert worden waren, teilweise sehr kurzfristig abgesagt. Auch in diesem Jahr bestimmte die Pandemie die Ausgestaltung des ersten Mais. Schon vor meinem Arbeitsbeginn hatten sich die Vorstandsmitglieder der DGB-Jugend Köln darauf verständigt, neben der Jugendrede auf der DGB-Kundgebung auf dem Heumarkt in Köln, auch ein digitales Angebot über die Social Media-Plattformen bereitzustellen, wo ich sie gerne mitunterstützt habe. So konnten wir auf unsere Forderungen als Gewerkschaftsjugend am Tag der Arbeit aufmerksam machen und erzielten so mit unseren Beiträgen eine große Reichweite.

Frage: Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen, denen sich die DGB-Jugend stellen muss?

Laura Knöchel: Die Corona-Pandemie hat viele altbekannte Probleme verschlimmert und einige, vermeintlich Neue zu Tage gefördert, die aber schon lange unter der Oberfläche geschwelt haben:

Der Übergang von Schule in Beruf ist für viele Schüler:innen auch ohne die zusätzlichen Hürden der Pandemie eine große Herausforderung. Denn schon heute sind viele Jugendliche mit einem niedrigen Schulabschluss von vielen Ausbildungsangeboten ausgeschlossen. Nun kommen der Rückgang an Beratungsmöglichkeiten und Hilfsangeboten, sowie die sinkende Anzahl an Ausbildungsplätzen noch dazu. Laut der IHK wurden im Bezirk Köln fast 20 % weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als zum Vorjahresstichtag. Das sind 282 Ausbildungsverträge weniger! Das kann so nicht weitergehen! Und die Glücklichen, die es dennoch schaffen, einen Ausbildungsplatz zu ergattern, stehen vor weiteren Problemen, wie beispielsweise Berufsschulunterricht im Homeschooling bei gleichzeitig mangelnder Digitalisierung an den Berufsschulen. Auch Azubis, die schon weiter in ihrer Ausbildung sind, leiden unter den Bedingungen. Sie beklagen sinkende Ausbildungsqualität durch den Wegfall von Lehrgängen und die damit verbundenen Unsicherheiten in der Prüfungsvorbereitung. Bereits vor der Pandemie wussten viele Azubis nicht, wie es für sie nach der Ausbildung im Betrieb weitergehen würde. Diese Unsicherheit hat sich durch die angespannte wirtschaftliche Lage noch einmal verschlimmert. Wir setzen uns deswegen mehr als je zuvor für eine Ausbildungsgarantie und eine gesicherte Übernahmeperspektive nach der Ausbildung ein.

Auch die Interessen von Studierenden dürfen nicht vergessen werden, denn auch sie sind in besonderem Maße von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. Viele Branchen, in denen Studierende häufig neben dem Studium jobben, sind seit Beginn der Pandemie geschlossen. Vielen fehlt ihre Lebensgrundlage, sie haben reale Existenznöte. Die Überbrückungshilfen des Bundesbildungsministeriums sind dabei vollkommen unzureichend. Auch das BAföG ist in seiner derzeitigen Form keine echte Lösung. Nur 11 % der Studierenden in Deutschland beziehen überhaupt BAföG und in teuren Städten wie Köln reicht der Höchstsatz kaum, um den Lebensunterhalt zu decken. Bezahlbarer Wohnraum für Azubis und Studierende ist bei uns Mangelware und muss dringend ausgebaut werden. Darüber hinaus fordern wir ein Solisemester, eine umfassende BAföG-Reform, höhere Nothilfen für Studierende und eine Ausweitung der Nachteilsausgleiche, um Studierenden die Sicherheit zurückzugeben, die sie brauchen, um sich wieder voll und ganz auf ihr Studium konzentrieren zu können.

Als DGB-Jugend fordern wir, dass die Anliegen von Studierenden und Azubis sowie jungen Beschäftigten auch in dieser Zeit nicht aus den Augen verloren werden. Wir wollen Antworten auf unsere Fragen und Lösungen für unsere Probleme. Wir verlangen, dass auch unsere Sorgen und Nöte ernst genommen und gehört werden. Als DGB-Jugend setzen wir uns dafür ein, unsere Themen auf die politische Agenda zu bringen. Die Bundestagswahl in diesem Jahr bietet uns hierfür eine sehr gute Gelegenheit.

Frage: Und was steht in der nächsten Zeit mit der DGB-Jugend an?

Laura Knöchel: Natürlich wird Corona unseren Alltag noch eine Weile bestimmen. Auch wenn wir uns alle eine schnellstmögliche Rückkehr zur Normalität wünschen, muss der Schutz der Gesundheit stets an erster Stelle stehen. Aus diesem Grund werden wir unsere Aktionen vorerst nur im digitalen Raum oder im kleinen Kreis, unter Einhaltung der AHA+L-Regeln, realisieren können. Nichtsdestotrotz wird es laut und bunt – so wie man es von der DGB-Jugend kennt. Wer es noch nicht getan hat, sollte deswegen unseren Kanälen auf Facebook und Instagram folgen, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Pünktlich zum ersten Mai haben wir nämlich unsere DGB-Jugend Kampagne zur Bundestagswahl „Press Start – es geht um unser JETZT!“ gestartet. Die Kampagne rückt unter anderem auch die Herausforderungen, von denen ich eben gesprochen habe, in den Fokus und fordert die Politik zum Handeln auf – und zwar jetzt! Als Jugend sind wir es leid, immer auf ein Morgen vertröstet zu werden. Die Weichen für unsere Zukunft werden in der Gegenwart gestellt und wir wollen nicht dabei zuschauen, wie dies andere für uns tun. Wir wollen aktiv mitgestalten indem wir unsere Themen unübersehbar nach draußen tragen. Egal ob digital oder live – an der DGB-Jugend wird auch in diesem Bundestagswahlkampf kein Weg vorbeiführen.

Wir danken dir für das Interview und wünschen dir viel Erfolg für deine neue Aufgabe.


Ansprechpartnerin: Laura Knöchel, 0175 – 4251623, laura.knoechel@DGB.de

Hinweis: In der Reihe „Nachgefragt“ veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen ausführliche Stellungnahmen und Positionen von gewerkschaftlichen Experten/innen aus der Region Köln-Bonn. „Nachgefragt“ bietet nicht nur ausführliche Hintergrundinformationen, sondern spiegelt immer auch die persönliche Sichtweise der jeweiligen Experten/innen wieder. Die Texte können für Medienberichterstattungen genutzt werden.

Weitere Veröffentlichungen aus der Reihe „Nachgefragt“ finden Sie auf unserer Internetseite www.koeln-bonn.dgb.de. Dort können Sie „Nachgefragt“ auch als RSS-Feed abonnieren.

V.i.S.d.P. DGB-Region Köln-Bonn, Hans-Böckler-Platz 1, 50672 Köln; Tel. 0221 – 500032- 0, Fax: 0221-50003220; Mail: Koeln@DGB.de Web: www.koeln-bonn.dgb.de


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