Deutscher Gewerkschaftsbund

20.03.2010

Presseberichterstattung von report-k

Köln, 24.11.2009. Mit einer Feierstunde beging der DGB Köln in der neuen Comedia in der Vondelsstraße am Sonntag sein 60-jähriges Jubiläum. Wer aber glaubt dass es sich dabei um eine nette Rückblicksmatinee handelte der wurde schon beim ersten Redner getäuscht. Der DGB Köln zeigt sich kämpferisch, vital und auf Höhe der Diskussion. Musik und Kabarett extraklasse.

Aktueller Einstieg: Bevor man in die Historie einstieg berichtete der Betriebsrat von Bauer Druck Köln über die aktuelle Lage, denn Bauer Media will die Kölner Druckerei schließen und damit hunderte Mitarbeiter entlassen. Die Belegschaft zu 80 Prozent organisiert. 2010 soll der Betrieb, der neben Magdeburg einer von zwei tarifgebundenen Betrieben, so der Betriebsrat, geschlossen werden. Der Betriebsrat warb um eine breite Unterstützung beim Kampf um die Arbeitsplätze.
Schon 1945 ging es am Venloerwall los und noch heute sitzt der DGB dort am Bahnhof West. Als der offizielle Starttermin gilt der 13. Oktober 1949 und obwohl man im Leben der Stadt Köln eine große Rolle spielt, stellte Moderator Martin Stankowski fest, dass man in den Chroniken der Stadt nur marginal erwähnt wird. Vier Vorsitzende aus dreißig Jahren waren dann zu Gast auf der Bühne. Los ging es mit Dieter Blumenberg der an die großen Streiks der IG Druck und Papier 1973/74 erinnerte und daran, dass die Arbeitgeber damals die Arbeitnehmer aussperrten und so die Mitgliederzahlen bei der Gewerkschaft in die Höhe trieben. Konrad Gilges war ab 1988 DGB Vorsitzender, in den Zeiten als die SPD mit opulenter Machtfülle ausgestattet war. Gilges war SPD Mitglied und saß sogar im Bundestag und verdeutlichte, dass es in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts nötig wurde den DGB Köln neu in der politischen Landschaft zu justieren, als die Partei der Grünen immer stärker wurden. Gilges öffnete den Kölner DGB auch gegenüber der Stadtverwaltung und schaffte so der Gewerkschaft den Zugang zum öffentlichen Bereich.

Mit Uellenberg van Dawen wurde der erste promovierte Historiker Vorsitzender des DGB und kümmerte sich als Historiker um die Geschichte der Einheitsgewerkschaft und die Historie der SPD. Deutliche Worte fand Uellenberg van Dawen zur Agenda 2010 und dass er sie von Anfang an für falsch gehalten habe. Nach dem Parteitag in Dresden und den dort geführten Diskussionen sieht er allerdings die SPD auf einem besseren Weg. Nach dem SPD Spendensumpf und der Schwarz-Gelben Mehrheit im Kölner Stadtrat war es wichtig so Uellenberg van Dawen Gesprächsbereitschaft mit allen zu signalisieren und für den DGB eine klare eigene Position zu finden. Man habe den Dialog gesucht und über Inhalte gestritten. Andreas Kossiski der heutige DGB-Regionalvorsitzende Köln-Bonn forderte von der Landes- und Bundespolitik eine bessere Finanzausstattung der Kommunen und ein Entgegenwirken gegen deren Überschuldung. Alleine Köln hat ein Haushaltsloch von über 210 Millionen Euro.

Guntram Schneider der DGB-Bezirksvorsitzende NRW nannte Köln eine Stadt der Gewerkschaft, auch weil Köln eine Industriestadt ist und bleiben muss, so der NRW DGB Boss. Schneider mahnte dies neben dem wachsenden Dienstleistungssektor nicht zu vergessen und lobte die Streiks an der Uniklinik und an den Kindertagesstätten als vorbildlich. Den Gewerkschaftern schrieb Schneider ins Stammbuch den DGB als lernende Organisation zu begreifen, die sich nur so den ökonomischen, sozialen und gesellschaftlichen Problemen stellen kann. Man müsse auch in Zukunft mit einer Ausnahme den Nazis, allen demokratischen Kräften den Diskurs führen und sich der Frage stellen: „Wie wollen wir in Zukunft arbeiten und leben?“. Schneider rief die Gewerkschafter zu Wachsamkeit auf, denn so glaube er bislang bliebe unter der neuen Schwarz-Gelben Regierung vieles ruhig, das werde sich aber am 10. Mai 2010 ändern, wenn NRW gewählt hat, so Schneider. Man werde aber für die Mitbestimmung und Partizipation in den Unternehmen kämpfen und sich weiter dafür einsetzen die Objektstellung des Menschen aufzulösen. Auch dürfe, das habe auch die aktuelle Krise gezeigt, der Markt sich nicht in allen gesellschaftlichen Bereichen durchsetzen. Kritisch sah Schneider aber auch die eigene Rolle vor allem in der Bildungsarbeit. Das habe sich für ihn daran gezeigt, dass 9,2 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder bei der Bundestagswahl FDP gewählt haben. Schneider nannte dies nicht nur eine ökonomische, sondern auch kulturelle Krise und will nun an der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit arbeiten.

Natürlich schwelgte man auch in Erinnerungen, sang Arbeiterlieder, gedachte Hans-Böckler, die rote Anneliese machte Mut und Thomas Frels erzählte von über 20.000 historischen Dokumenten zur gewerkschaftlichen Organisation bei Ford. Immerhin waren im Jahr 1956 von 17.000 Ford Mitarbeitern gerade mal 500 gewerkschaftlich organisiert, so sind es heute bei gleicher Mitarbeiterzahl 13.000. Auch bei der Kölner Polizei liegt der Organisationsgrad bei über 80 Prozent.
Der DGB Köln präsentierte sich nicht langweilig historisch, sondern vital, diskussionsfreudig und lebendig.
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[ag]


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60 Jahre DGB in Köln

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