Deutscher Gewerkschaftsbund

29.06.2016

Offener Brief an Bonner Stadtverordnete bzgl. Bauvorhaben Bahnhofsvorplatz

Offener Brief von Bonn im Wandel und FEMNET e.V.


Sehr geehrte Stadtverordnete,

seit über einem Jahrzehnt diskutiert die Stadtverwaltung, wie der Bonner Bahnhofsvorplatz für Einheimische und Besucher_innen attraktiver gestaltet werden kann – es ist mehr als verständlich, dass alle Beteiligten diesen Zankapfel endlich vom Tisch haben möchten. Mit großem Bedauern haben wir erfahren, dass nun ein Nutzungskonzept vorliegt, das in keiner Weise einer nachhaltigen, fairen und zukunftsorientierten Stadtplanung entspricht.

In den letzten Tagen haben uns Mails von zahlreichen Bonnerinnen und Bonnern erreicht, die ebenso enttäuscht über die Pläne sind. Das hat uns dazu veranlasst, diesen offenen Brief zu verfassen – in der Hoffnung, dass Sie Ihre Entscheidung zugunsten einer nachhaltigen und bürgerfreundlichen Stadtplanung überdenken.

Es ist bedauerlich, dass

  • das städtische „ingangstor" zukünftig von einem Einzelhändler dominiert wird, dessen Verkaufskonzept auf Wegwerfmode basiert: Shirts und Hosen für ein paar Euro, die oftmals direkt in den Mülleimer wandern. Mit nachhaltigem Konsum hat das nichts zu tun!
  • eine negative Veränderung der Einkaufszone in Kauf genommen wird: In der Stadt Essen stieg nach der Eröffnung einer Primark-Filiale 2011 das Müllaufkommen in der Innenstadt, sodass die Stadtreinigung mehrmals täglich anrücken musste. Aus anderen Städten ist außerdem bekannt, dass große Kaufhäuser das Stadtbild negativ verändern und andere Einzelhändler verdrängen. Das führt zu Mehrkosten und dem Verlust der Vielfalt!
  • Bonn als Fair Trade Town an einem solch prominenten Ort einen Konsumtempel akzeptiert – und damit miserable Produktionsbedingungen in den Herstellungsländern faktisch hinnimmt. Den Preis für billige „ast Fashion" zahlen Arbeiterinnen und Arbeiter in Asien und Osteuropa!
  • das Konzept ohne Grünflächen und ein durchdachtes Verkehrskonzept auszukommen scheint. Nachhaltige Entwicklung beginnt vor Ort!
  • innerstädtische Freiräume zunehmend der Bebauung anheimfallen. Eine zukunftsorientierte Stadtplanung schafft öffentliche Aufenthalts- und Begegnungsräume für ihre Bürger_innen!

Eine UN-Stadt, die sich gern als „tandort und Akteur für Nachhaltigkeit" bezeichnet, seit 2010 Fair Trade Town ist und sich gar um den Titel „auptstadt des Fairen Handels" bewirbt, sollte mit einem besseren Beispiel vorangehen!

Wir wünschen uns, dass die Stadt ihre Verantwortung ernst nimmt und sich auf eine zukunfts-weisende und faire Stadtplanung besinnt, die den Bürger_innen zugutekommt. Ganz im Sinne einer stringenten Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) und des Pariser Klimaabkommens!

Deshalb fordern wir Sie auf, das Vorhaben zur Bebauung des Bahnhofsvorplatzes bezüglich o.g. Punkte zu prüfen und nachzubessern sowie insbesondere sich mit allen Ihnen dafür zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einzusetzen, die Vermietung der Flächen durch den Investor Ten Brinke an Primark zu verhindern.


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