Deutscher Gewerkschaftsbund

19.02.2019

Nachgefragt mit Sinan Ekiz

„Obwohl ich persönlich nicht in der Produktion tätig war, bin ich aus Solidarität Mitglied bei der IG Metall geworden.“

DGB-Region Köln-Bonn

DGB-Region Köln-Bonn

Sinan Ekiz ist seit dem 1. Februar 2019 in Elternzeitvertretung Gewerkschaftssekretär mit organisationpolitischen Aufgaben in der DGB-Region Köln-Bonn. Vorher hat er in Elternzeitvertretung für den DGB in der Region Niederrhein gearbeitet. Wir werden im Rahmen des Interviews Sinan Ekiz persönlich kennenlernen und über seine beruflichen Ziele im Rahmen seiner Tätigkeit in der Region Köln-Bonn sprechen.

Frage: Sinan, wie bist Du zur Gewerkschaft gekommen?

Sinan Ekiz: Der Weg zur Gewerkschaft verläuft über meine Familie. Denn ich stamme aus einer Arbeiterfamilie. Schon in meiner Kindheit habe ich meinen Vater zu Maikundgebungen am „Tag der Arbeit“ in meiner Geburtsstadt in Solingen begleitet. Außerdem berichtete mein Vater immer von den schweren Bedingungen seiner Tätigkeit im Stahlradbetrieb. Obwohl ich persönlich nicht in der Produktion tätig war, bin ich aus Solidarität Mitglied bei der IG Metall geworden. Als junger Mensch beobachtete ich die Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007/2008. Das war auch bei uns zu Hause ein riesen Thema, weil der Betrieb meines Vaters 2014 erst in Kurzarbeit gegangen ist und im Anschluss 183 Beschäftigte entlassen hat. Das war eine sehr schwere Zeit. Deshalb bin ich für das Mitbestimmungsrecht, weil die Zukunft der Beschäftigten nicht nur eine Chefsache, sondern auch eine existenzielle Angelegenheit der Beschäftigten ist.

Nach meinem Studium hatte ich dann die Chance für den DGB in der Region Niederrhein zu arbeiten. Zum ersten Mal habe ich die Gewerkschaft neben ihren Zielen als Arbeitgeber kennengelernt. Das hat mir auch in dieser kurzen Zeit großen Spaß gemacht. Ich freue mich meine Arbeit im Raum Bonn und Rhein-Sieg fortzusetzen.

Frage: Was hast Du vor der Gewerkschaft gemacht?

Sinan Ekiz: Ich hatte als Erster und Einziger meiner Familie das Privileg zu studieren. Nach meinem Zivildienst bei der Integrationsagentur für Regionale Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien der Stadt Solingen, habe ich an der Universität Duisburg-Essen, Maastricht University und an der Universität zu Köln Politikwissenschaften studiert und konnte 2017 mit Unterstützung eines Stipendiums der Friedrich-Ebert Stiftung (FES) das Studium mit einem M.A.-Abschluss erfolgreich abschließen.

Während des Studiums habe ich mich ehrenamtlich engagiert. Beispielsweise als Schöffe im Landgericht Wuppertal, als Mitglied der Kommission zur Qualitätsverbesserung in Lehre und Studium der Universität Duisburg-Essen, und als stellvertretender Vorsitzender des Zuwanderer- und Integrationsrates der Stadt Solingen. Ich finde das ehrenamtliche Engagement sehr wichtig, weil es den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.

Frage: Was sind Deine Arbeitsschwerpunkte beim DGB Köln-Bonn?

Sinan Ekiz: In meinem Zuständigkeitsbereich liegen die Themen Wohnen und Mobilität, vor allem für den Raum Bonn und Rhein-Sieg. Dort werde ich gemeinsam mit unseren ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen unsere gewerkschaftlichen Forderungen auf allen Ebenen einbringen. Hierzu besteht auch ein ausführliches Positionspapier, die meine ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen veröffentlicht haben. Dieses Papier nehmen wir als Basis und möchten als DGB die Frage „Wohnen“ humaner und vor allem sozialer gestalten und engagieren uns für bezahlbare Wohnungen für alle. Denn wir halten an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 und dem Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UN-Sozialpakt) von 1966 fest, was nicht nur dort verankert, sondern auch im Jahre 1976 in Kraft getreten ist.

Für die Lösung der Wohnungsproblematik fordern wir mehr Wohnungsbau, weil wir die Versorgung der Menschen mit Wohnraum als eine staatliche Aufgabe verstehen. Hierzu sehen wir auch die Kommunen in der Pflicht eine kontinuierliche Bereitstellung von Bauland zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig fordern wir schnellere Verfahren im Kontext der Erteilung von Baugenehmigungen, weil bei vielen Haushalten die Mietbelastung von weit mehr als 30 Prozent liegt und dadurch wenig Geld für den Lebensunterhalt übrig bleibt – das können wir so nicht hinnehmen.

Frage: Wie sehen Eure Forderungen für den Bereich Mobilität in Bonn und Rhein-Sieg aus?

Sinan Ekiz: Gemeinsam mit meinen ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen werden wir unsere Forderungen wieder auf allen Ebenen einbringen. Im Rahmen der zunehmenden Flexibilisierung der Arbeitswelt wird deutlich, dass marode Straßen die Verkehrsbelastung nicht tragen können.

Auch ich sehe es seit meiner Studentenzeit, dass die Bahn überfüllt ist mit Pendlern und das Stau-Chaos die Pendler im Straßenverkehr zusätzlich belastet. Deshalb fordern wir eine ganzheitliche Mobilitätsplanung, welche die notwendigen Investitionen von Straßen, Brücken, Schienen und Wasserwegen erkennt und umsetzt. Wir wissen auch, dass dies nicht ausreichend ist. Daneben fordern wir attraktivere Alternativen. Das bedeutet konkret, dass restriktive Maßnahmen ergriffen werden müssen, in dem zum Beispiel die Reduzierung oder stärkere Bewirtschaftung von Parkraum in Innenstädten erfolgen sollte, um das Nutzverhalten der Bürgerinnen und Bürgern zu verändern.

Darüber hinaus haben wir mit Entsetzen festgestellt, dass die Fahrpreise im VRS-Bereich zu den teuersten in Deutschland zählen. Daher fordern wir eine Reform des Tarifsystems, welches kundenfreundlich und vor allem preiswert ist.

Wir danken Dir für das Interview und wünschen Dir viel Erfolg.

Ansprechpartner: Sinan Ekiz, 0175-4251623, sinan.ekiz@dgb.de


Hinweis:   In der Reihe „Nachgefragt“ veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen ausführliche Stellungnahmen und Positionen von gewerkschaftlichen Experten/innen aus der Region Köln-Bonn. „Nachgefragt“ bietet nicht nur ausführliche Hintergrundinformationen, sondern spiegelt immer auch die persönliche Sichtweise der jeweiligen Experten/innen wieder. Die Texte können für Medienberichterstattungen genutzt werden.

Weitere Veröffentlichungen aus der Reihe „Nachgefragt“ finden Sie auf unserer Internetseite www.koeln-bonn.dgb.de/nachgefragt. Dort können Sie „Nachgefragt“ auch als RSS-Feed abonnieren.

V.i.S.d.P.  DGB-Region Köln-Bonn, Hans-Böckler-Platz 1, 50672 Köln, Tel. 0221 – 500032- 0, Fax: 0221-50003220, Mail: Koeln@DGB.de, Web: www.koeln-bonn.dgb.de

 


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