Deutscher Gewerkschaftsbund

01.02.2019
Jörg Mährle, Geschäftsführer DGB-Region Köln-Bonn

Erinnerung an Gottfried Schmitz

anlässlich des Neujahrsempfang des DGB Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg am 01.02.2019

Meine Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen.

Zum Beginn des diesjährigen Neujahrsempfang möchte ich als Geschäftsführer der DGB-Region Köln-Bonn die Gelegenheit nutzen, um an den langjährigen Kreisvorsitzende des DGB Bonn zu erinnern: Gottfried Schmitz.

Gottfried ist im Oktober des vergangenen Jahres im Alter von nur 71 Jahren gestorben.

Gottfried war 27 Jahre lang - von 1978 bis November 2005 - Vorsitzender des DGB Bonn, der 1989 mit dem Rhein-Sieg-Kreis und 2001 mit dem Oberbergischen Kreis fusionierte. Gottfried hat damit einige Strukturveränderungen des DGB erlebt.

Fast sein ganzes Leben lang hat er sich IN DER und FÜR DIE Gewerkschaftsbewegung engagiert. Eine Gewerkschaftsmitgliedschaft war für ihn selbstverständlich.

Mit 16 Jahren trat er während seiner Ausbildung zu Werkzeugmacher bei den Ringsdorff-Werken in die IG Metall ein und engagierte sich in der Jugendvertretung seines Ausbildungsbetriebes. Das war zu einer Zeit, als von den 2.500 Beschäftigten in seinem Betrieb nur 60 in der IG Metall waren.

Auf dem zweiten Bildungsweg schloss er ein Studium zum Diplom-Volkswirt ab - und auch während der Studienzeit engagierte er sich gewerkschaftlich für die Jugendbildungsarbeit der IG Metall.

Außerdem war er als Referent der Jugendbildungsarbeit beim DGB NRW tätig.

Es würde den Rahmen sprengen, hier alle Funktionen aufzulisten, in denen sich Gottfried Schmitz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer engagierte und ihre Interessen vertrat, z.B. in der Selbstverwaltung der AOK oder Arbeitsagentur. Er war aber auch treibende Kraft für eine Job-Initiative beim Regierungsumzug von Bonn nach Berlin, den er übrigens – ganz patriotischer Rheinländer – als „Dummejungenstreich“ bezeichnete.

Gottfried engagierte sich aber auch in Bündnissen und Netzwerken für Frieden, soziale Gerechtigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und natürlich gegen Rechtsextremismus und Nationalismus.

Ich erinnere mich an einen offenen Brief an die Bonner Uni, den Gottfried zusammen mit dem damaligen Bonner Polizeipräsidenten, mit Bernhard von Grünberg, mit Roland Appel und weiteren geschrieben hat. Es ging um einem Politik-Professor, der rechtsradikales Gedankengut verbreitete und Rechtsextremisten an der Universität Bonn salonfähig machte. Für Gottfried und seine Mitstreiter war das ein Skandal und nicht tragbar.

Ich erinnere mich noch gut daran, weil ich zu dem Zeitpunkt selber an der Bonner Uni Politikwissenschaften studierte und den kritisierten Professor selber erlebt und erlitten habe. Das war, wenn man so will, mein erster Berührungspunkt mit Gottfried Schmitz.

 

Meine Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich übertreibe nicht, wenn ich hier feststelle, dass Gottfried Schmitz das Gesicht des DGB in Bonn und der Region war.

Gottfried war aber nicht nur das Gesicht, sondern vor allem die STIMME des DGB.

„Für seine Spitzen gegen die Herrschenden ist Gottfried Schmitz bekannt“ schrieb beispielsweise der KSTA am 17.01.2004 anlässlich des damaligen Jahresempfangs und berichtete von einem „Feuerwerk an bissigen Bemerkungen“. Bezeichnend ist auch die Überschrift des Artikels: „Keiner wurde beim DGB-Neujahrsempfang verschont“!

„Wer die Übersicht verloren hat, soll wenigstens Entscheidungen treffen“, spottete Gottfried Schmitz damals beispielsweise über die Agenda 2010.

Und der Bonner CDU habe der Mut gefehlt, „einem frechen kleinen Kerl (Reiner Schreiber, d. Red.) rechtzeitig was auf den Hintern zu geben“.

Das war Gottfried Schmitz.

Er hat Klartext gesprochen, hat niemanden verschont, hat den Finger in die Wunde gelegt … und manchmal auch die ganze Hand.

Er hat immer Position bezogen.

Er hat so gesprochen, dass ihn die normalen Menschen draußen verstanden – auch ohne Abitur und Studienabschluss.

Er war ein – im besten Sinne des Wortes – Überzeugungstäter, der nie vergaß, wo er herkam.

Er hatte einen festen Wertekompass –

und er war dabei immer auch noch selbstkritisch.

Das sind die Eigenschaften, die ich von Gottfried in Erinnerung behalte … auch wenn wir nie eng zusammen gearbeitet haben und ich ihn als damaliger Kölner DGB-Jugendsekretär nur aus der Entfernung wahrnehmen konnte.

Gottfried bleibt mir aber auch ganz konkret in Erinnerung:

Gottfried hat dafür gesorgt, dass wir uns heute hier im Bonner Gewerkschaftshaus an der Endenicher Str. treffen und nicht im alten Gewerkschaftshaus am Busbahnhof. Ob dafür wirklich die Parkplatzsituation am alten Standort in der Innenstadt „Schuld“ war – das Geheimnis kann ich heute leider auch nicht lüften.

Gottfried hat die Grundlagen für die Ausstellung zur Bonner Gewerkschaftsgeschichte gelegt, die in den Sitzungsräumen hängt. Sein Nachfolger, Ingo Degenhardt, den ich an dieser Stelle herzlich entschuldigen möchte, hat sie Jahre später aktualisierte und aus den etwas klobigen Alurahmen befreit.

Und schließlich: Ohne Gottfried würden wir uns heute hier nicht treffen, denn er hat die Tradition der Bonner DGB-Neujahrsempfänge erst ins Leben gerufen … und wenn ich mich umsehe und die Gästeliste betrachte, dann war das eine gute Entscheidung.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

meine Damen und Herren,

es gibt also viele Gründe, sich an Gottfried Schmitz zu erinnern. Es gibt viel, was er uns hinterlassen hat. Um Berthold Brecht zu zitieren – den Gottfried gerne selber in seinen Reden vereinnahmte: „Der Mensch ist erst wirklich Tod, wenn man nicht mehr an ihn denkt.“ Diese Gefahr sehe ich bei Gottfried nicht.

Unsere Arbeit heute ist nur möglich, weil sich Kolleginnen und Kollegen wie Gottfried Schmitz vor uns engagierten, vor uns für Gute Arbeit, Solidarität und Gerechtigkeit kämpften … und vor uns schon viel erreichten.

Doch es bleibt noch viel zu tun! – würde Gottfried mit Blick auf die zunehmende soziale und gesellschaftliche Spaltung und dem Erstarken von Nationalismus in Europa wahrscheinlich sagen

… und mit einem Augenzwinkern auf eine Broschüre aus der Mitte der 1980er Jahre zeigen, in der er schon auf die damalige soziale Spaltung in Bonn hinwies.

Ehe Bernd Weede als Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes diese Herausforderungen gleich in seiner Begrüßung skizziert, möchte ich Euch / Sie aber um eine Gedenkminute für Gottfried Schmitz bitten,

denn Erinnerung ist eine Brücke in die Zukunft.

Vielen Dank.


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