Deutscher Gewerkschaftsbund

14.08.2012
DGB Bundesvorstand

Unternehmensgewinne: Aufschwung für Wenige

Die Gewinne der Unternehmen sprudeln wieder wie zu Vorkrisenzeiten. Doch von dem Geldsegen profitieren vor allem die Eigentümer. Gut 26 Milliarden Euro schütteten die DAX-Unternehmen für das Jahr 2010 an die Aktionäre aus, 30 Prozent mehr als 2009. Dagegen gehen viele ArbeitnehmerInnen leer aus.

In der Bel-Etage der deutschen Wirtschaft herrscht Sektlaune. „Krise – das war einmal. Heute ist Aufschwung!“ Endlich ist wieder alles im Lot. Wenn es nach den Managern ginge, erschiene die wirtschaftliche Talfahrt der letzten Jahre allenfalls als Randnotiz in den Geschichtsbüchern. Nun, kein Wunder. Immerhin sprudeln die Unternehmensgewinne, allen voran die der Dax-Unternehmen, in Deutschland wieder wie zu Vorkrisenzeiten. Das ist prinzipiell gut. Schlecht aber, wenn sie nur Wenigen zu gute kommen. Denn in erster Linie profitieren die Unternehmenseigentümer und das Management an den Gewinnen. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schauen hingegen in die Röhre.

Volle Auftragsbücher und ausgelastete Produktionsanlagen prägen das Bild vielerorts. Nun werden wieder Gewinne eingefahren. So konnten zum Beispiel die 30 Dax-Unternehmen ihre Gewinne 2010 im Vergleich zum Vorjahr um satte 66 Prozent auf insgesamt 96,6 Milliarden Euro schrauben. Erstmals in der Geschichte schrieben alle Dax-Unternehmen schwarze Zahlen. Die Umsätze stiegen hingegen „nur“ um 13 Prozent. Die Umsatzrendite verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr auf durchschnittlich 5,4 Prozent. Ermöglicht wurde dies durch immer größere Sparprogramme der Unternehmen. Die Zeichen stehen auf Profitabilität und Rendite.

Die Aktionäre freut’s. So werden die Eigentümer der Dax-Unternehmen mit rund 26 Milliarden Euro für das Jahr 2010 für ihr „Engagement“ fürstlich entlohnt. Dies bedeutet eine Steigerung von 30 Prozent zum Jahr 2009.

Dem stehen die Manager der Dax-Unternehmen jedoch in nichts nach. Auch sie profitieren enorm vom „neuen Reichtum“. Etwa 500 Millionen Euro flossen in die Geldbeutel der Vorstände der deutschen Vorzeige-Unternehmen. Damit spielen sie im internationalen Vergleich in der Spitzenliga. Ihr Totschlagargument für Gehaltssteigerungen – man stehe im weltweiten Wettbewerb um Topmanager, die eben nur mit Spitzengehältern zu halten seien – sticht somit nicht mehr. Damit nicht genug: In einigen Unternehmen, wie z. B. bei der Deutschen Bank, verdienen die Manager der sogenannten zweiten Riege mehr als ihre Chefs.

Jubelstimmung auf der einen Seite, Tristesse auf der anderen. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer  werden von den Gewinnen wohl nicht viel sehen. Auch der Staat sieht von Jahr zu Jahr ein kleineres Stück des zu verteilenden Kuchens. „Dank“ zahlreicher Steuerver­günstigungen für Unternehmen gehen dem Fiskus jährlich Milliarden durch die Lappen.

Die Unternehmen sollten die Gewinne in nachhaltige Investitionen stecken, statt mit Dividenden um die Gunst der Aktionäre zu buhlen. Die Vergütungssysteme der Manager sollten sich stärker am langfristigen Erfolg orientieren. Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ist erfreulich. Diese Erholung wäre aber ohne die Beteiligung der Gewerkschaften und der Arbeitnehmerschaft durch Kurzarbeit und Arbeitszeitkonten in dieser Form nicht denkbar gewesen. Nun muss die Kooperationsbereitschaft mit steigenden Löhnen und Gehältern auch honoriert werden, damit aus dem Aufschwung für Wenige ein Aufschwung für Alle wird.


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Dieser Artikel gehört zum Dossier:

Aktionstag UMfairTEILEN (29.09.2012)

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