Deutscher Gewerkschaftsbund

16.12.2018

Was hat Europa je für uns getan?

Europa - eigentlich die Europäische Union - hat einen schlechten Ruf: Zu bürokratisch, zu teuer, zu viele Verbote, zu wenig Sicherheit, zu viel Einfluss auf nationale Entscheidungen usw.

Klar ist: In Europa läuft vieles nicht rund. Die unterschiedlichen Interessen der Mitgliedsstaaten führen zu einer Blockade bei wichtigen Entscheidungen. Bei aller Kritik und Misstrauen: Die EU hat auch viele positive Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Europa. Einige Beispiele:

  • Grundrechte

    Die Charta der Grundrechte der Europäischen Union sichert grundlegende soziale Rechte. Dazu gehören beispielsweise die Vereinigungsfreiheit, die Autonomie der Gewerkschaften und das Recht auf Kollektivmaßnahmen (z. B. Streiks).

  • Frieden

    Die EU ist ein großes Friedensprojekt. Die enge wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit sichert den Frieden in Europa. Aus ehemaligen „Erzfeinden“ wurden Verbündete, Partner und Freunde.

  • Geld fließt auch zurück

    Aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) erhält das Land NRW von 2014 bis 2020 bis zu 627 Millionen Euro für Modellprojekte zu den Themen Beschäftigung, Bildung, nachhaltige Entwicklung und Chancengleichheit.

  • 14-Tage-Widerrufssrecht

    EU-Rechtsvorschriften schützen vor unlauteren Geschäftspraktiken, irreführender Werbung oder unfairen Vertragsbestimmungen und schreiben Garantien für Verbraucher/innen vor, die es ermöglichen, Produkte innerhalb von 14 Tagen nach einer Bestellung im Internet zurückzusenden.

  • Fahrgastrechte

    Seit 2009 haben Bahnreisende besondere Rechte. Sie müssen vor und während der Fahrt über die günstigsten Tarife oder Verspätungen unterrichtet werden. Außerdem ist die Erstattung der Fahrkosten oder Entschädigungen bei Verspätungen geregelt.

  • Roaming-Gebühren

    Mittlerweile sind in 31 Ländern die Roaming-Gebühren für Mobiltelefonate abgeschafft.

  • Führerschein

    Nationale Führerscheine sind in ganz Europa gültig. Ein internationaler Führerschein wird nicht mehr benötigt.

  • 112

    Die Notrufnummer ist überall in Europa dieselbe: 112. Das hilft auch im Urlaub!

  • Innere Sicherheit

    Kriminelle Netze reichen in der Regel über Staatsgrenzen hinaus. Die EU darf nicht vor Ort eingreifen oder Straftäter festnehmen, sie kann aber über die EU-Agentur Europol die Verhütung, Aufdeckung und Ermittlung von Verbrechen koordinierend und unterstützend tätig werden, z.B. durch gemeinsame IT-Systeme.

  • Fluggastrechte

    Fluggastrechte sind EU-Weit einheitlich geregelt.

  • Mutterschutz und Elternzeit

    Mütter haben Anspruch auf mindestens 14 Wochen Mutterschaftsurlaub, und jeweils ein Elternteil hat Anspruch auf mindestens vier Monate Elternurlaub, um sich um das Kind zu kümmern.

  • Babys

    Baby-Nahrung muss sicher sein und hohen Standards entsprechen. Es dürfen keine nachweisbaren Pestizidrückstände enthalten sein. Auch bei Kinderspielzeug gelten strenge Sicherheitsanforderungen, vor allem im Hinblick auf die Verwendung von Chemikalien.

  • Einlagensicherung

    Um Ersparnisse zu schützen und die Stabilität des gesamten Bankensystems zu verbessern, hat die Europäische Union Vorschriften für Einlagensicherungssysteme eingeführt. Bis zu 100 000 EUR auf Giro- oder Sparkonten  sind so geschützt.

  • A++

    Dank der EU-Energiekennzeichnung ist jetzt transparent, wieviel Energie und Wasser Geräte verbrauchen. Jedes Gerät wird in eine Verbrauchsklasse eingestuft. Dank den Bestimmungen der EU werden Haushaltsgeräte immer energieeffizienter. Viele Produkte zählen heutzutage zu Klasse A, die wiederum in vier Unterklassen aufgeteilt ist (A, A+, A++ und A+++).

  • Steckdosen und Stecker

    … sind innerhalb der EU weitgehend harmonisiert worden, sodass elektrische Geräte grenzüberschreitend ohne Adapter eingesetzt werden können.

  • Fernsehwerbung

    Damit nicht permanent Werbung im Fernsehen läuft, darf pro Stunde maximal zwölf Minuten Reklame laufen. Werbesendungen müssen zudem leicht erkennbar sein.

  • Grenzkontrollen

    In der Regel werden Unionsbürger weder an der Grenze aufgehalten noch müssen sie Wartezeiten aufgrund von Grenzkontrollen in Kauf nehmen, vor allem nicht im Schengen-Raum.

  • Lebensmittelkennzeichnung

    Nach den Vorschriften der EU über Lebensmittelinformationen für Verbraucher/innen müssen bei allen vorverpackten Lebensmitteln nicht nur die Zutaten aufgelistet, sondern auch sämtliche enthaltenen Allergene angegeben werden.

  • Lippenstift & Co

    Mit der Kosmetikverordnung werden Inhaltsstoffe wie Farbstoffe, Konservierungsmittel und UV-Filter geregelt, die in der Kosmetikindustrie eingesetzt werden.

  • Tierversuche

    Durch das EU-Verbot von Tierversuchen für kosmetische Zwecke wird dafür gesorgt, dass keine Tiere zu Schaden kommen.

  • Reisefreiheit

    Unionsbürger/innen können innerhalb der Europäischen Union frei reisen. Ihr Pass ermöglicht ihnen die Einreise in über 143 Länder, ohne dass sie dafür ein Visum beantragen müssen.

  • Kein Geldumtausch im Urlaub

    Im EURO-Raum gehören der lästige Geldumtausch und  Währungsumrechungen der Vergangenheit an.

  • Arzneimittel

    … unterliegen einer Qualitätskontrolle auf europäischer Ebene: Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt ein zentralisiertes Genehmigungsverfahren für neue Medikamente durch und stellt deren Verfügbarkeit durch einmalige Zulassung EU-weit sicher.

  • Europäische Mitbestimmung

    Europäische Betriebsräte können verhindern, dass die verschiedenen nationalen Belegschaften eines internationalen Konzerns durch das Management gegeneinander ausgespielt werden.

  • Betriebsübergänge und Massenentlassungen

    Die 2001 verabschiedete Betriebsübergangsrichtlinie legt fest, dass im Fall der Übernahme eines Unternehmens(teils) oder Betriebs(teils) durch eine/n neue/n Inhaber*in die arbeitsvertraglichen Rechte der Belegschaft erhalten werden müssen. Konkret heißt dies, dass der/die neue Arbeitgeber*in dazu verpflichtet ist, ein Jahr lang die Arbeitsbedingungen, -verträge und Löhne (inkl. Tarifvereinbarungen) aller Beschäftigten der verkauften Wirtschaftseinheit weiterzuführen und nicht zu ihrem Nachteil zu verändern.


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Dieser Artikel gehört zum Dossier:

EU-Wahl 2019

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