Deutscher Gewerkschaftsbund

1. Mai 2010

06.04.2010

Nachgefragt: Andreas Kossiski zum 1. Mai 2010

In der Finanz- und Wirtschaftskrise sind tiefgreifende Probleme unseres Wirtschafts- und Sozialsystems deutlich geworden. Was erwartet der DGB als Konsequenz und welche Bedeutung haben der DGB und die Gewerkschaften in der Krise aus deiner Sicht?

Andreas Kossiski: Die wichtigste Konsequenz muss sein, dass es nicht so weiter gehen kann wie vor der Krise. Es müssen jetzt politische Weichenstellungen zur Sicherung unseres Wirtschafts- und Sozialsystems eingeleitet werden. Wir brauchen einen starken Staat und keine Phrasen wie „Privat vor Staat“ und der „Markt regelt alles allein“.

Der DGB und seine Gewerkschaften haben in der Krise bewiesen, dass sie Verantwortung übernehmen können und wollen. In den Betrieben und Verwaltungen sind die Betriebs- und Personalräte kompetente und verlässliche Partner und Gestalter einer sicheren Zukunft.

Tarifverträge zur Arbeitsplatzsicherung, moderate Lohnabschlüsse und die Verlängerung der Kurzarbeit sichern in der Krise Tausende von Arbeitsplätzen in Deutschland. Diese Reaktion auf die Krise hat in ersten Ansätzen eine neue Sozialpartnerschaft möglich gemacht, bei der die organisierte Arbeitnehmerschaft eine zentrale Rolle einnimmt. Dies darf nicht gefährdet werden. Mitbestimmung und Mitgestaltung sind entscheidende Bausteine für eine soziale und gerechte Zukunft in dieser Republik.

In wenigen Tagen finden die Landtagswahlen statt. Welche Erwartungen hast du als DGB-Regionsvorsitzender an die Politik?

AK: Zunächst einmal habe ich die Hoffnung, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Nur eine hohe Wahlbeteiligung sichert klare demokratische Ergebnisse. Nichtwählen ist keine Lösung und stärkt den rechten Rand.

Vom Ergebnis der einzigen Landtagswahl in diesem Jahr gehen wichtige Signale und politische Weichenstellungen in Richtung Berlin. Seit der Bundestagswahl gibt es nur Blockade und Chaos. Notwendige Entscheidungen werden auf die Zeit nach dem 9. Mai geschoben. Von NRW darf nicht der Startschuss ausgehen, dass eine ungebremste neoliberale Politik unser gesamtes Staatsgefüge in Gefahr bringt.

8 Monate DGB Region Köln-Bonn, welche Erfahrungen gibt es mit der neuen Struktur

AK: Wir müssen die Chancen der neuen Struktur nutzen und die Probleme gemeinsam im Sinne der Menschen lösen. Dieser Prozess ist, trotz aller Unkenrufe, auf einem guten Weg. Wir sind in der Region dabei Kreis- und Stadtverbände zu gründen oder neu zu organisieren. Hierbei beschreiten wir, gemeinsam mit den Gewerkschaften vor Ort, neue und innovative Wege.

Der DGB muss in der Fläche und auch außerhalb der Zentren wieder sichtbarer und für die Kolleginnen und Kollegen wahrnehmbarer werden. Wer sich über regionale Aktivitäten informieren oder sich aktiv vor Ort an der Arbeit beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen. Wir befinden uns in einem ständigen gesellschaftlichen Veränderungsprozess, dem sich auch der DGB und seine Einzelgewerkschaften nicht entziehen können. Wir dürfen hierbei die Menschen nicht am Rande stehen lassen, sondern müssen sie in unsere Mitte holen. Ich bin fest davon überzeugt, dass uns das nur gemeinsam als Bund der Gewerkschaften gelingen wird.


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