Deutscher Gewerkschaftsbund

26.02.2019

Stimmen zum 1. Mai 2019

DGB

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Für die diesjährigen Maiplakate haben wir den Vorsitzenden des DGB, Rainer Hoffmann, die Vorsitzende des DGB NRW, Anja Weber, den Geschäftsführer der DGB-Region Köln-Bonn, Jörg Mährle, die Vorsitzenden der Stadt- und Kreisverbände (Jens Scheumer, Bernd Weede, Siefried Dörr, Witich Roßmann) sowie die Vorsitzende des Frauenausschusses (Eva Pohl) und den Vorsitzenden des Jugendausschusses (Ali Sempinar) um ein Statement gebeten.

 

  • Rainer Hoffmann, Vorsitzender des DGB

    Reiner Hoffmann DGB Vorsitzender 2018

    DGB/U.Voelkner/FOX

    Fragen zur Europawahl an den Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann

    Warum ist Europa wichtig für die Beschäftigten in Deutschland?

    Was in der EU entschieden wird, betrifft uns alle – die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Bürger oder die Gesellschaft als Ganze. Vieles von dem, was wir inzwischen als selbstverständlich wahrnehmen – Frieden, Freizügigkeit, soziale Grundrechte – haben wir auch und vor allem der EU zu verdanken! Neben den gemeinsamen Grundwerten gibt es eine Vielzahl ganz konkreter Beispiele, wie die EU unser Leben im Alltag beeinflusst. Dank der Freizügigkeit können wir nicht nur in anderen EU-Ländern Urlaub machen, sondern auch in anderen Ländern arbeiten. Dank der EU gibt es begrenzte Wochenarbeitszeiten und Ansprüche auf Ruhepausen. Als Bürgerin oder Bürger der EU musst du nur in einem Land Sozialversicherungsbeiträge zahlen – und deine Beitragszeiten in anderen EU-Staaten werden angerechnet. Die Betriebe profitieren vom gemeinsamen Binnenmarkt, weil Grenzkontrollen und Zölle wegfallen. Das macht den Handel von Waren, Dienstleistungen und Kapital der EU einfacher und günstiger. Dies gilt es zu bewahren und gegen Nationalisten jeder Couleur zu verteidigen. Wir wollen offene Grenzen weiter mit einem Schutzraum für soziale Rechte verbinden.

    Was meint ihr mit dem Slogan: Europa, jetzt aber richtig?

    Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften sind grundsätzlich pro-europäisch. Das heißt aber nicht, dass wir mit allem zufrieden sind. Die europäische Einigung wurde zu stark auf die wirtschaftlichen Freiheiten ausgerichtet, die sozialen Rechte und Belange der Menschen standen lange nicht im Vordergrund. Das wurde erst nach und nach berichtigt, beispielsweise mit der Charta für Grundrechte der EU. Während und nach der Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007 hat die EU aber einseitig auf einen harten Sparkurs gesetzt und in vielen Ländern enorme soziale und wirtschaftliche Schäden mitverursacht. Damit muss Schluss sein! Wir wollen Europa, aber wir wollen es richtig machen. Wir kämpfen für ein soziales, solidarisches und gerechtes Europa.

    Warum soll man wählen gehen?

    Ein sozialeres Europa kommt nicht von alleine. Die Wahlen finden in einer Zeit statt, in der in vielen Ländern Nationalisten und Rechtspopulisten Rückenwind haben. Wir wollen nicht, dass die EU weiter auseinanderdriftet, wenn anti-europäische Kräfte im Europäischen Parlament eine Sperrminorität bilden können. Deswegen rufen wir alle Bürgerinnen und Bürger auf, zur Wahl zu gehen.

  • Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW

    Anja Weber, Vorsitzende DGB NRW, spricht im Interview über ihre Pläne für die Gewerkschaften

    Thomas Range/DGB NRW

    Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW: „2019 machen wir uns stark für: Bezahlbares Wohnen, selbstbestimmteres Arbeiten und mehr Tarifverträge“

    In diesem Jahr steht das Thema Wohnen ganz oben auf der Agenda des DGB NRW. Gerade haben wir mit dem Mieterschutzbund und Wohlfahrtsverbänden das Bündnis „Wir wollen wohnen!“ gestartet. Wir verlangen von der Landesregierung, dass sie endlich eigenes Geld in die Hand nimmt, um Wohnen in Städten wie Düsseldorf, Köln oder Bonn wieder bezahlbar zu machen. Das dürfen keine Oasen für Besserverdiener werden, die sich Polizisten, Erzieherinnen oder Krankenschwestern nicht mehr leisten können. Mehr Investitionen verlangen wir übrigens auch in Kitas, Schulen und in die Verkehrsinfrastruktur.

    Druck machen wir auch beim Thema Arbeitszeit. Die NRW-Landesregierung hat einen Antrag in den Bundesrat eingebracht, der das Arbeitszeitgesetz aufweichen soll. Damit stellt sie sich eindeutig auf die Seite der Arbeitgeber und lässt die Beschäftigten im Stich. Denn gerade in Zeiten von Digitalisierung und zunehmenden psychischen Belastungen sind längere Arbeitszeiten und kürzere Ruhepausen der falsche Weg. Unsere Gewerkschaften machen vor, wie es besser geht: Sie haben in zahlreichen Branchen Tarifverträge ausgehandelt, die zu mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeitgestaltung führen. Ob es um Wahlfreiheit zwischen mehr Geld und mehr Urlaub geht oder um mehr Freizeit für Schichtarbeiter oder Beschäftigte mit kleinen Kindern: Anders als die Landesregierung haben die Gewerkschaften erkannt, wo der Schuh drückt und bieten konkrete Lösungen.

    Und natürlich wird das Jahr 2019 im Zeichen des Strukturwandels stehen – und zwar im Rheinischen Revier ebenso wie im Ruhrgebiet. Wir machen uns dafür stark, dass dieser Wandel bewusst gestaltet wird und es nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg geht. Ein erfolgreicher Strukturwandel heißt für uns, dass gute Industriearbeitsplätze gesichert werden und neue entstehen. Dafür ist Tarifbindung das A&O. Nicht nur in NRW, auch bundesweit setzen wir uns dieses Jahr schwerpunktmäßig dafür ein, dass die Tarifbindung in Deutschland gestärkt wird. Das gelingt, wenn mehr Menschen in die Gewerkschaften eintreten und sich als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine gemeinsame Stimme geben. Und natürlich kann auch die Politik etwas tun: Indem sie mehr Tarifverträge allgemeinverbindlich erklärt und öffentliche Aufträge bevorzugt an Unternehme vergibt, die nach Tarif bezahlen.“

  • Jörg Mährle, Geschäftsführer der DGB-Region Köln-Bonn

    Jörg Mährle

    Jörg Mährle

    Liebe Kollegin, lieber Kollege,

    nur gemeinsam können wir etwas erreichen. Dieser Grundsatz prägt gewerkschaftliche Arbeit von Anfang an. Gute Tarifverträge, faire Arbeitsbedingungen oder betriebliche Mitbestimmung gibt es nur, wenn Beschäftigte gemeinsam dafür einstehen. Einigkeit macht stark .... und sie ist heute  genauso notwendig wie in der Vergangenheit. Sie ist die gewerkschaftliche Antwort auf  die strukturellen Veränderungen der Arbeitswelt durch Globalisierung, Digitalisierung, Energie- oder Mobilitätswende. Sie ist der Hebel zur Beseitigung von prekären bis ausbeuterischen Arbeitsbedingungen. Sie schafft Verhandlungsmacht bei Sozial- und Sanierungsplänen. Nur gemeinsam haben Beschäftigte eine Chance, sich gegenüber betriebswirtschaftlichen Kennziffern, Marktgesetzen oder Kapitalinteressen zu behaupten. Gewerkschaftsmitglieder wissen das. Nicht-Mitglieder müssen wir davon überzeugen.

    Dass man sich erfolgreich wehren kann, zeigen Fahrrad-Essenskuriere mit der Kampagne „Liefern am Limit“. Ein tolles Projekt, dass den Finger in die Wunde legt: Die Digitalisierung schafft ein neues Dienstleistungsproletariat mit Arbeitsbedingungen, die längst überwunden schienen. Und dass man einen langen Atem braucht, zeigt der seit Jahren andauernde Kampf der Kollegen/innen eines global agierenden Online-Händlers für tariflich abgesicherte Arbeitsbedingungen. Noch gelingt es dem Handelskonzern, Streikmaßnahmen durch eine Verlagerung der Auslieferung auf nicht streikende Standorte teilweise zu unterlaufen. Aber der Kampf geht weiter ... und die Einigkeit der Standorte nimmt zu.

    Einigkeit ist aber auch der Hebel für gesellschaftliche Veränderungen. Nur wenn wir gemeinsam unsere Forderungen an Kommunen, Land, Bund und Europa adressieren, sind wir erfolgreich. Die Einführung des Mindestlohns als untere Haltelinie, die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Krankenkassenbeiträge oder die Einführung eines sozialen Arbeitsmarktes für Menschen, die seit Jahren keinen Job finden, sind gute Beispiele. Weitere müssen folgen. Wir brauchen eine Politik gegen die zunehmende soziale Spaltung; eine Politik, die zu mehr Verteilungsgerechtigkeit führt; eine Politik, die die Lebensbedingungen aller Menschen verbessert, für bezahlbaren Wohnraum sorgt, Chancengleichheit herstellt und vor Altersarmut schützt.

    Dafür gehen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am 1. Mai auf die Straße. Sei dabei! In der Region Köln-Bonn finden wieder verschiedene Maiveranstaltungen statt. Alle Informationen findest Du unter www.Koeln-Bonn.DGB.de

    Jörg Mährle
    Geschäftsführer DGB-Region Köln-Bonn

  • Bernd Weede, Vorsitzender DGB-Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg

    Bernd Weede

    Bernd Weede

    Europa. Jetzt aber richtig! Unter diesem Motto werden wir uns am 1. Mai versammeln. Wir müssen zeigen, dass wir Europa, aber ein anderes Europa wollen. Ein Europa der Menschen – nicht der Staatschefs. Ein Europa, in dem alle Menschen in Frieden, Demokratie und Sicherheit leben können. Ein Europa, das niemanden vor der Küste ertrinken lässt.

    Bernd Weede, Vorsitzender DGB-Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg

  • Jens Scheumer, Vorsitzender DGB-Stadtverband Leverkusen

    Liebe Kolleginnen und Kollegen, anlässlich der anstehenden 1. Mai Kundgebung möchte ich euch als Vorsitzender des Stadtverbandes Leverkusen aufrufen, an den Veranstaltungen des DGB zahlreich teilzunehmen. Unter dem Motto Europa, jetzt aber richtig, sind wir alle aufgerufen für ein starkes und solidarisches Europa einzutreten.

    Jens Scheumer, Vorsitzender DGB-Stadtverband Leverkusen

  • Siegfried Dörr, Vorsitzender DGB-Kreisverband Rhein-Erft

    Siegfried Dörr

    Siegfried Dörr

    Die aufstrebenden Asiatischen Märkte sowie die unsicheren Aktionen aus Nordamerika gefährden unsere Wirtschaft extrem. Deshalb brauchen wir im Zeichen der Globalisierung eine starke Europäische Union. Aber die Gewinne der wirtschaftlichen Entwicklung müssen gerecht verteilt werden und niemand darf wirtschaftlich und sozial abgehängt werden. Das ist unser Thema am 1. Mai.

    Siegfried Dörr, Vorsitzender DGB-Kreisverband Rhein-Erft

  • Witich Roßmann, Vorsitzender DGB-Stadtverband Köln

    Teaserbild Dr. Witich Rossmann

    IG Metall Köln-Leverkusen

    „Seit mehr als 70 Jahren herrscht in großen Teilen Europas Frieden. Das ist die längste Friedenszeit in der Geschichte des europäischen Kontinents. Wir lehnen die Nato-Forderung, die Rüstungsausgaben auf 2% zu erhöhen, kategorisch ab und sagen: Ja zu Frieden und Nein zu höheren Rüstungsausgaben … und wir sagen Nein zu Nationalismus und Rassismus!“

    Witich Roßmann, Vorsitzender DGB-Stadtverband Köln

  • Eva Pohl, Vorsitzende DGB-Stadtfrauenausschuss Köln

    Eva Pohl

    Eva Pohl

    „Gleichberechtigung ist ein Grundwert, den europäische Verträge und Gesetzte festschreiben. Doch da wo demokratische Errungenschaften angegriffen werden, stehen auch sicher geglaubte Frauenrechte wieder in Frage. Gleichstellung von Frauen und Männern ist eine Frage der Gerechtigkeit. Heraus am 1. Mai und am Tag der Europawahl. Wählen gehen!“

    Eva Pohl, Vorsitzende DGB-Stadtfrauenausschuss Köln

  • Ali Senpinar, Vorsitzender DGB-Jugend Köln

    Wir als Gewerkschaftsjugend stehen ganz klar für eine solidarische und vielfältige Gesellschaft und zeigen klare Kante gegen rechtes Gedankengut. Nationalismus ist für uns keine Alternative. Deswegen, heraus zum 1. Mai. Für Europa. Jetzt aber richtig!

    Ali Senpinar, Vorsitzender DGB-Jugend Köln


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Dieser Artikel gehört zum Dossier:

1. Mai 2019 in der Region Köln-Bonn

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