Deutscher Gewerkschaftsbund

24.09.2019

Branchenreport: Gebäudereinigung

Das Land Berlin und der DGB haben in 2017 einen Branchenreport Gebäudereinigung veröffentlicht. Das Ergebnis ist alarmierend:

"Mit der Auslagerung der Reinigung und zunehmenden Beauftragung von Fremdfirmen ist der Preisdruck in der Vergangenheit stetig gewachsen und die Arbeitszeiten in der Branche wurden in die Randzeiten des Tages oder in die Nacht verlagert. Durch diese Verlagerung sind die Reinigung und auch die Reinigungskräfte aus dem Blickfeld und Bewusstsein der Menschen verschwunden. Die geringe Wertschätzung, die der Branche und dem Berufsbild der Gebäudereinigerin/des Gebäudereinigers entgegengebracht wird, wird allgemein beklagt. Unternehmensvertreterinnen und -vertreter berichten, wie gering die Akzeptanz für Kosten und Aufwand und Qualifikation für die Reinigungsarbeiten auf Seiten ihrer Kundschaft ist. Das Vorurteil „Putzen könne jede oder jeder“ sei weit verbreitet.

Es herrscht ein enormer Verdrängungswettbewerb in der Branche, der heute vor allem über die Senkung der Personalkosten ausgetragen wird. Die Beschäftigten werden unter erheblichen Zeitdruck gesetzt. Über die Flächenleistungsverdichtung, „Objektlöhne“ und Konzepte wie die sogenannte „Sichtreinigung“ wird versucht, die Arbeitszeit je Objekt zu senken. Die Folge für die überwiegend weiblichen und eher älteren Beschäftigten ist eine starke Arbeitsbelastung, die einerseits aus der körperlichen Anstrengung aber maßgeblich auch aus dem Zeitdruck resultiert. Das zum Teil hohe Arbeitsethos der Beschäftigten, die jahrelang im selben Objekt tätig sind, steigert ihre Bereitschaft, unbezahlte Arbeit zu leisten, um trotz fehlender (bezahlter) Zeit ihren eigenen Qualitätsansprüchen an die Reinigungsleistung zu genügen.

Auch hat der starke Wettbewerb Arbeitszeiten und Arbeitsverhältnisse derart beeinflusst, dass Wegezeiten zwischen den u.U. weit voneinander entfernten Arbeitsorten nicht mehr vergütet werden. Arbeitsverhältnisse und Arbeitszeiten wurden fragmentiert, sodass viele kleine Teilzeiten entstanden sind und die geringfügige Beschäftigung bzw. kleine Teilzeitbeschäftigungen mit Arbeitszeiten am Rande des Tages oder in der Nacht dominieren. Hinzu kommen heute im Zuge der Digitalisierung Online-Vermittlungsplattformen, die „Reinigungsjobs“ an Selbstständige vermitteln, wodurch die „ondemand“-Organisation von Reinigungstätigkeit eine weitere Stufe erreicht hat.

Die Fragmentierung der Arbeitsverhältnisse und der starke Druck auf die Personalkosten haben trotz des allgemeinverbindlichen Lohntarifvertrages zur Folge, dass die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten einen Niedriglohn erhält. "

Der gesamte Report kann HIER als PDF geladen werden.


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